BINZ39


/ Samuel Haitz, poetry, sleeping with someone, sleeping alone, overwork, indolence, cocaine, Proust, 29. Mai – 27. Juni, Eröffnung Donnerstag, 28. Mai, 18–20 Uhr /


Stiftung
Chronik
Organisation
Ateliers
Publikationen

Residency
    Stipendium
    Projektatelier
    Stipendiat:innen
   

Ausstellungen
    2026
    2025
    2024
    2023
    2022
    2021
    2020
    2019
    2018
    2017
    2016
    2015

    2014

    2013




Kontakt



Sihlquai 133
8005 Zürich


Do – Sa
14 – 17 Uhr
oder auf Anfrage


Winterferien:
22.12.24 – 8.1.25

Zugänglichkeit 

︎ ︎


  

Mark

Lucia Coray und Sabine Schlatter
6. März – 11. April
Eröffnung Donnerstag, 5. März, 18 – 20 Uhr

Donnerstag, 9.4., 18 Uhr: Rundgang mit den BINZ39-Kuratorinnen Alexandra Blättler (2006-2013) und Julia Künzi (seit 2022) und den Künstlerinnen










In dieser Ausstellung treffen sich zwei künstlerische Positionen, deren Schaffen eng mit der BINZ39 verknüpft ist: Lucia Coray war Teil der ersten Gruppe von Künstler:innen der BINZ39, deren Atelierresidenzen 1983 begannen und ist heute die Präsidentin der Stiftung BINZ39. Als eggerschlatter zogen 2009 Sabine Schlatter und Benjamin Egger in ein Atelier ein. Die meist performativen Arbeiten des Duos untersuchten gesellschaftliche Dynamiken und deren ökologische Auswirkungen. 2011 löste sich das Kollektiv eggerschlatter auf, seither arbeitet Sabine Schlatter alleine. Der Vorschlag einer gemeinsamen Ausstellung kam von Lucia Coray. Sie interessiert sich dafür, wie Sabine aus einer Duo-Konstellation zu dieser eigenen, in der Entstehung auch sehr einsamen Bildwelt kam.

Sabine Schlatter arbeitet prozesshaft, intuitiv, körperlich und forschend. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist oft die Beobachtung von Bewegungen und Begegnungen, die Natur und ihre Abbildungen, Ahnungen davon. In Zeichnungen und Malerei überträgt sie ihre Beobachtungen in meist grossformatige Bilder, die sich schichtweise aufbauen. Farbe, Linie und Form entstehen in einem suchenden Prozess. Ihre biomorphen und oft membranartigen Formen entwickeln sich nicht aus festgelegten Kompositionen, sondern wachsen während des Malens, überlagern sich, verdichten sich und behalten Durchlässigkeiten. Anstelle einer kohärenten Zeiterfahrung wird bei ihren Werken das Dazwischen deutlich: Übergänge, Verbindungen, Überlagerungen, Schattierungen.

Lucia Corays Werk ist hingegen von Wiederholung, Disziplin und systematischer Arbeit geprägt. Sie arbeitet seriell und additiv, oft ausgehend vom Motiv des menschlichen Kopfes, das sie in tausendfachen Variationen geordnet zeichnet und in Bildstrukturen verdichtet. Die Wiederholung dient nicht der mechanischen Reproduktion, sondern der schrittweisen Transformation: Das einzelne Gesicht verliert seine Individualität und wird zum Zeichen, zum strukturellen Element innerhalb eines grösseren visuellen Systems. Eigene Regeln von Ordnung und Freiheit stehen dabei in Spannung: Reihungen, Raster und Systeme bilden den Ausgangspunkt, lösen sich jedoch  in neueren Arbeiten in bewegten, offenen Kompositionen auf, werden zu Gesten, zu Bewegungen. In den Bildern wird der Arbeitsprozess selbst sichtbar, ebenso Geduld und Ausdauer. Das Zeichnen wird so zu einer Art Verdichtung von Zeit, die in den Werken selbst nachfühlbar wird.

Beide Künstler:innen teilen ein stark prozessuales Verständnis, das nicht von der Idee eines fertigen Bildes oder Motivs ausgeht, sondern in dem sich Werke über lange Arbeitsprozesse entwickeln. Betrachte ich die Werke in dieser Ausstellung, denke ich oft an das Wort Geflecht. Bei Coray entsteht es durch Wiederholung und Verdichtung, ein Gefüge, in dem das Einzelmotiv im Gesamtzusammenhang aufgeht. Die Verdichtung wird systematisch, fast meditativ organisiert. Bei Schlatter lässt sich die Metapher des Geflechts unmittelbarer anwenden: In den grossformatigen Arbeiten wirken Linien, Wege und Farben wie verschlungene Bewegungsbahnen. In ihren Bildern entstehen Geflechte, die mich herumdriften lassen, durch Durchlässigkeiten, die Schwellenzustände und ein Dazwischen-Sein deutlich werden lassen. Das Geflecht wird so zum verbindenden Prinzip, als Bild für ein Denken in Prozessen, Übergängen und offenen Zusammenhängen.

_____

In this exhibition, two artistic positions come together whose practices are closely connected to BINZ39: Lucia Coray was part of the first group of artists at BINZ39, whose studio residencies began in 1983, and today she serves as president of the foundation. In 2009 Sabine Schlatter and Benjamin Egger moved into a studio as eggerschlatter. The duo’s largely performative works examined social dynamics and their ecological implications. In 2011 eggerschlatter went separate ways, and since then Sabine Schlatter has been working independently. The proposal for a joint exhibition came from Lucia Coray. She was interested in how Sabine moved from working within a duo towards this distinct pictorial world of her own, shaped through a painterly process marked by a certain solitude.

Sabine Schlatter works in a process-based, intuitive, physical and exploratory manner. Her work often begins with the observation of movements and encounters, with nature and its representations, with intimations of them. In drawings and paintings she translates these observations into mostly large-format images that develop in layers. Colour, line and form emerge through a searching process. Her biomorphic, often membrane-like forms do not arise from predetermined compositions but grow during the act of painting, overlapping, condensing and retaining permeability. Rather than presenting a coherent sense of time, her works foreground an in-between: transitions, connections, overlays and gradations.

Lucia Coray’s work, by contrast, is characterised by repetition, discipline and systematic labour. She works serially and additively, often beginning with the motif of the human head, which she draws in thousands of ordered variations and condenses into pictorial structures. Repetition does not serve mechanical reproduction but gradual transformation: the individual face loses its individuality and becomes a sign, a structural element within a larger visual system. Self-imposed rules of order and freedom exist in tension: rows, grids and systems form the starting point but recently dissolve into dynamic, open compositions, becoming gestures, becoming movement. In the images the working process itself becomes visible, as do patience and endurance. Drawing thus becomes a kind of condensation of time that can be sensed within the works themselves.

Both artists share a strongly processual understanding that does not begin with the idea of a finished image or motif, but in which works develop over extended periods of making. When looking at the works in this exhibition, I often think of the word entanglement. In Coray’s work it emerges through repetition and condensation, a structure in which the individual motif dissolves into the overall configuration. This condensation is organised systematically, almost meditatively. In Schlatter’s work the metaphor of the entanglement can be applied more directly: in the large-format works, lines, paths and colours appear like interwoven trajectories of movement. In her paintings, entanglements arise that allow the viewer to drift through them, through permeabilities that make threshold states and a sense of in-between visible. The entanglement thus becomes a connecting principle, an image for a mode of thinking in processes, transitions and open relations. 
Mark